Suggestive Farbenblicke

Zu den Arbeiten von Detlev Foth

Wie sollen sie ihren angemessenen Ausdruck finden, jene Landschaften, die das Auge überwältigen? Woher erhalten jene starken Gesichter und Gestalten, denen in vielen Fällen nur noch unsere Erinnerungen gelten und die, auf die Leinwand gebannt, die Fähigkeit besitzen, uns ins Auge zu fassen, um mit uns Gespräche zu führen, ihre magische Kraft? Manchmal sprechen aus seinem Pinselstrich die Darstellungen anderer, die längst vor ihm waren, die er zu neuem Leben und zu eigenständigen Portraits erweckt hat. Ja, das ursprüngliche Zitat, nämlich ein Bild aus der Schöpfung, aus der uns umgebenden Welt herausgenommen oder hervorgeholt, so dass dann die Gemälde zum Echo werden, das ist es bei seinen Arbeiten immer wieder, was uns ergreift. Es ist die ungetrübte Freude an einer sich umarmenden Farbigkeit samt der dennoch stets damit einhergehenden Dezenz. Und das gilt eben nicht nur für die mit schönen Titeln versehenen Landschaftsbilder, sondern auch für die gemalte, auf die Schemen reduzierte Architektur als Labyrinth einer geheimnisvollen Urbanität, aber natürlich auch für die Portraits, die inzwischen eine hohe Geisterversammlung bilden.

Wie sehr bezaubern und irritieren die weiblichen Akte, deren immer wieder anmutige Schönheit zur gleichen Zeit einiger Gefährdung ausgesetzt ist. Der Augenschein trügt allerdings nicht nur in diesen Bildern. Die Sanftheit wird nicht geleugnet, jedoch mit einem angedeuteten Schrecken, wenigstens mit Distanz bedacht. Die Collagen und Fotoarbeiten zeigen auf selbe Weise die artifizielle Begabung wie Fertigkeit, wodurch Zufälle zum gelungenen Einfall und statische Gegenstände zum Wiederschein dessen werden, was dahinter liegt. Wir haben es alles in allem mit einem Erzähler der Palette und Berichterstatter in allen möglichen medialen Formen der Kunst zu tun. Nicht umsonst spricht sich der aus der Düsseldorfer Kunstakademie hervorgegangene Meisterschüler Rissas auch in Theaterstücken, Romanen und Erzählungen aus.

Wodurch empfangen diese Arbeiten ihren Reiz, warum ragen sie aus einer Fülle von künstlerischen Leistungen, die sich zu Dutzenden neben ihren gewissermaßen zu Wort melden, deutlich heraus? Die Antwort wirkt einfach, enthält aber dennoch nie den gesamten Eindruck, durch den sich die verschiedenen Arbeitsbereiche auszeichnen. Aber so viel ist klar: Detlev Foth hilft uns durch seine suggestiven Farbenblicke und entlockt unserer an so manchen Orten noch immer atemberaubend schönen Natur einen Zauber und eine Skala von Abstufungen, die staunen macht. Und er entdeckt eben in den Gesichtern oder in den Akten ihr jeweiliges Mysterium, ohne es zu zerstören. Und wie unweigerlich fesseln die respektvoll strukturierten Städte und Bauten, die in die Welt gestellt sind und durch die unser Leben erst einen Halt und sein Gewand erhält, weil der Künstler ihren Zusammenhang in beruhigte Buntheit zu bannen versteht.

Es tragen verschiedene Arbeiten mit ihren farbigen Mischungen vom Bild im Bild ganze Genreszenen in sich. Hier ist es wie bei allen Werken von Detlev Foth gerade der erzählerische Ton, dem der Betrachter sich anvertrauen darf und dem er mit allen Sinnen gerne folgt. Die künstlerische Variationsbreite in Foths Arbeiten bündelt sich dabei stets in einer erkennbaren Handschrift. Diese ist ebenso bemerkens- wie bewundernswert. Sie verleiht dem gegenwärtigen Leben ein adäquates Geviert, in dem es verharrt, sich gleichzeitig aber entfalten kann und auf individuelle Weise augenblicklich beim Betrachter neue Ordnungen stiftet. Dies ist eine originäre Sichtweise, die der Künstler herausfordert und die belegt, dass gerade das gebändigte Widerspiel aus Hell und Dunkel Ausdruck zu sein vermag von melancholischem Einklang mit allem und jedem, was mit Öl auf Leinwand abgebildet werden soll, oder besser durch den Schaffensprozess und durch eine ganz persönliche Note beseelt, verwandelt im Rahmen verharrt.

Prof. Dr. Joseph Anton Kruse (Ehemaliger Direktor des Heinrich-Heine-Instituts in Düsseldorf)

Düsseldorf 2010

"Detlev Foth, ein wichtiger Maler zwischen expressiver Figuration und Abstraktion, kommt im Jahr 1959 in Münster in Westfalen zur Welt. Schon als junger Mann arbeitet er mit Kurt Link zusammen, der in Düsseldorf als Künstler tätig ist. 1979 nimmt Detlev Foth dann selbst ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie auf. Zu seinen Lehrern zählen Luise Kimme, Bernhard Lüthi, Siegfried Cremer, Tony Cragg, Walter Biemel und Rolf Sackenheim. Bei Rissa wird Detlev Foth 1985 Meisterschüler.
In seinen Gemälden steht Detlev Foth zwischen abstraktem und figurativem Expressionismus. Mit pastosem, gestischem Pinselstrich verortet er seine Landschaftsgemälde und Architekturbilder in diesem Grenzbereich. Zwar bleiben die Malereien bis auf Ausnahmen gegenständlich, doch werden die Motive in verschiedenem Abstraktionsgrad erfasst und spielen so spannungsvoll mit dem Erkennen und Erahnen des Betrachters. Im Bereich der Papierarbeiten beschäftigt sich Foth häufig mit der Collage. Souverän kombiniert der Künstler die unterschiedlichen Darstellungs- und Formalebenen in seinem Werk, das berühmteste Werke gleichen Sujets der Kunstgeschichte von Marcel Duchamp bis Gerhard Richter zitiert.


Detlev Foth kann noch als Student 1981 seine erste Einzelausstellung bespielen (Palma de Mallorca), der einige weitere folgen. Seine Werke befinden sich etwa im Düsseldorfer Heinrich-Heine-Institut, in der Sammlung des Suhrkamp-Verlags in Berlin, in der Universität von Opole in Polen oder in der Galerie International d'Art Contemporain im französischen Revin. Detlev Foth lebt und arbeitet in Düsseldorf."  (Ketterer Kunst, München - Auktionskatalog / Zeitgenössische Kunst 2014)

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